die Nase einen Hauch von Abgestandenheit und Staub verspüren. Je nachdem, welche Bilder und in welcher Abfolge Leo Kandl präsentiert, sie  oder als Laser-Prints direkt an die Galeriewände „tapeziert", erhält das Ensemble eine jeweils eigene Tönung — von der Stille, vielleicht Zärtlichkeit, bis zum Schrillen, Aggressiven, zum Abstoßenden.
Unversehens verknüpfen sich mit der Anschauung des Objekts — das wir mit seiner Abbildung in fast navier Weise zu identifizieren wir uns in raffinierter Weise gedrängt sehen — Momente der eigenen Vergangenheit, Angelesenes, Phantasiertes. In der Tiefe der Falten nisten Geheimnisse, der Blick fällt in ein stufenloses Schwarz, eine stumpfe Enklave des Nichts, aus dem man sich nur unter Mühen auf die Höhen der Faltenkämme zu retten vermag. Sie geben Hinweise, mit welchen Geschichten wir jene Jacke, jene Hose in unserer Phantasie verweben werden, sie erzählen von jahrelangem Gebrauch und der Vergänglichkeit modischer Trends. Gleichzeitig vermögen sie uns von einer Dynamik zu überzeugen, die dem Moment des Fotografiertwerdens vorangegangen sein mag: Die Tiefe dieser Einbuchtung des Stoffes, jener Knick im Ärmel scheinen nicht vom Künstler willkürlich oder nach formalen Gesichtspunkten angeordnet, wir vermuten uns auf den Spuren eines Geschehens, so dramatisch oder trivial es auch sei. Das Objekt der Kunst verwandelt sich in ein Corpus delicti.

Text: © Monika Faber

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