von Dr. Margit Zuckriegl, Kunsthistorikerin, Salzburg

Den Fotografen Leo Kandl (geb. 1944 in Mistelbach, lebt in Wien) mit einer Auswahl aus seinem umfangreichen fotografischen Werk zu präsentieren ist das Anliegen der Ausstellung „Städte, Passanten“. Sie ist dem Aspekt des Reisens, des Kennenlernens von unbekannten Personen gewidmet.

Der 2015 in Salzburg mit dem Otto Breicha-Preis für Fotokunst des Museum der Moderne ausgezeichnete Künstler wird als sensibler Weltreisender gezeigt, als Neugieriger und Forschender. Kandl ist ein stiller und feinsinniger Beobachter, der die unterschiedlichsten Orte der Welt aufsucht, um von dort Bilder mitzubringen, und seine Eindrücke zu dokumentieren. Das beginnt mit wenig spektakulären Orten seiner direkten Umgebung, dem Naschmarkt, den Stadtbahnstationen, Stehcafés oder den Fotografien der Serie Weinhaus aus den 1970er und 1980er-Jahren; Kandl erzählt hier von Menschen und Orten, die nicht im Rampenlicht der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen und die meistens übersehen werden.

Passanten und Zufallsbegegnungen sind ein wiederkehrendes Moment im Werk von Leo Kandl. Waren es zunächst anonyme Porträts, die er auf der Straße einfing, so führte er in späteren Jahren mittels Annoncen und Kontaktanzeigen bewusst Treffen herbei. Um 2000 startete er die Serie Free Portraits, die auf umfassenden Vorbereitungen und Verabredungen mit ihm zuvor unbekannten freiwilligen „Modellen“ basiert. Das größte Potenzial für diese Serie fand Kandl in den multikulturellen und anonymen Szenarien der Metropolen New York und London.

Seit seinem Studienaufenthalt 2003 im Iran interessiert sich Kandl für Stadtlandschaften und Peripherien. Es sind die Anonymität der Orte und die „Atmosphäre des Unscheinbaren“, welche ihn auch zu seinen Bildrecherchen in der Ukraine, in Russland, in Thailand anregten. Kandl sieht in seinen Städtebildern bevorzugt die räumlichen Bildkompositionen und verleiht den „Architekturen des Zufalls“ durch seine farblich fein abgestimmte Palette eine eigene Aura.

In der Ausstellung wird anhand von etwa dreißig Exponaten ein Überblick über Kandls Schaffen seit den 1970er-Jahren gezeigt.

 

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