„Nicht selten erinnern mich Kandls Aufnahmen an die Bilder einer Theateraufführung. Sie zeigen wie bei der im Drama bestehenden Einheit von Ort, Zeit und Handlung – ich spreche hier nicht vom wechselnden kargen und austauschbaren Mobiliar – die unterschiedlichen Konstellationen von Personen an. In ihrem Zueinander wird durch Mimik und Körpersprache manchmal Kommunikationsverweigerung deutlich. Die sich Platz schaffende Selbstdarstellung zeigt sich im Monologisieren, und der Alkohol steigert das theatralische Rollenspiel.

Verweigerung und Rückzug auf das Selbst stehen neben extrovertierter und exzessiver Selbstentäußerung. Die Akteure verbergen sich entweder und ziehen sich an die Wände zurück oder greifen in den Raum ein. Der Charakter der Aufführung schwankt zwischen düsterem Nachtasyl und absurder Operette.“

„Kandl ist an dieser Situation des Provisorischen und Zusammenhanglosen, der durch Zufall bestimmten Begegnungen interessiert; ihn faszinieren die absurden und surrealen Situationen, die sich durch das exhibitionistische Aufbrechen der bürgerlichen Wirklichkeit ergeben. Er sucht die sozialen „exterritorialen“ Situationen in billigen Kaschemmen, vergammelten Schankhäusern wie auch in heruntergekommenen Schwemmen auf. Seine Orte befinden sich nicht selten im Umkreis von Bahnhöfen, die das Transitorische und Absurde der Menschlichen Existenz ins Gleichnishafte steigern.“

„Leo Kandls Photographien aus den Wiener Weinhäusern und Bahnhofsgaststätten sind zeitlos. So verdeutlichen seine Bilder unter anderem auch die Tatsache, dass das Fegefeuer des Rausches Teil einer unveränderbaren condition humaine ist.“

Peter Weiermeier, Leo Kandl: Weinhaus, S.80-81.

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