Leo Kandl ist ein Spaziergänger zwischen den Welten: das Zwielicht der nächtlichen Orte, das Unstete der Barbesucher und Vorstadtstrotter ziehen ihn ebenso an wie das kurzzeitige Zusammentreffen mit anonymen Passanten oder Zufallsbekanntschaften.
Das ideale Mittel für die Kontaktaufnahme und Dokumentation seiner Begegnungen war die Polaroidkamera.
1978 entdeckte Kandl diese neue Bildsprache als Kommunikationsmittel für sich: ausgehend von seinen Straßenbildern und Passantenfotos orientierte er sich in Richtung Porträtfotografie und Interieur. Gleichsam mit dem Durchschreiten der Tür in ein Nachtcafe, ein Weinhaus, ein Bahnhofsbuffet geriet er an sein Gegenüber: er sprach dort die ihm Unbekannten an, halb lustige Nachtschwärmer, trinkfeste Zecher, extrovertierte Selbstdarsteller oder an einer spannenden Abwechslung interessierte Einsame - sie alle stellten sich für 2 Polaroid-Aufnahmen zur Verfügung: 1 für den Fotografen,meist mit Name oder Widmung des Dargestellten und 1 für das "Modell", oft mit Signatur von Kandl. So war ein Panorama von momentanen Einblicken und ausschnitthaften Episoden entstanden, das Kandls Wegbeschreitungen nachzeichnet; seine nächtlichen Streifzüge und sein Interesse für die Darsteller in dieser „comedie humaine" gehören zum Berührendsten und Charakteristischsten was die Fotogeschichte zum Wien der 1970er Jahre aufzuweisen hat.

Margit Zuckriegl

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